WVTR-Wert bei Verpackungsfolien: Wasserdampfdurchlässigkeit verstehen – Aluminiumfolie, Blister, Laminate

Der WVTR-Wert zeigt, wie viel Wasserdampf im stationären Zustand pro Fläche und Zeit durch eine Verpackungsfolie tritt, üblicherweise in g/(m²·d). Ein niedrigerer Wert steht für eine stärkere Wasserdampfbarriere – allerdings nur unter vergleichbaren Prüfbedingungen. [1]

Definition of terms

WVTR / Water Vapor Transmission Rate
Flächenbezogene Rate des Wasserdampfdurchtritts durch eine Folie, meist angegeben in g/(m²·d).

Damit ist der WVTR-Wert weder ein allgemeines Qualitätsurteil noch eine fertige Materialempfehlung. Für die Vorauswahl muss klar sein, ob eine Verpackung Feuchteaufnahme begrenzen, Wasserverlust verhindern oder einen bestimmten Feuchtehaushalt unterstützen soll.

Was WVTR misst und wie die Einheit zu lesen ist

WVTR steht für Water Vapor Transmission Rate. Die Kennzahl beschreibt die Wasserdampfmenge, die im stationären Zustand durch eine Folie tritt, bezogen auf Fläche und Zeit. Die verbreitete Einheit g/(m²·d) bedeutet: Gramm Wasserdampf pro Quadratmeter Folienfläche und Tag. Unter identischen Messbedingungen weist ein niedrigerer WVTR auf eine stärkere Wasserdampfbarriere hin. [1]

Stationär bedeutet, dass die Messung nach einer Einlaufphase bei konstanten Bedingungen erfolgt. Der WVTR beschreibt also nicht die in einer Folie gespeicherte Feuchtigkeit. Er erfasst die Durchtrittsrate von Wasserdampf, die sich bei einem definierten Feuchtegefälle einstellt.

WVTR ist folglich eine flächenbezogene Durchtrittsrate einer konkreten Folienprobe. Die Kennzahl ist kein dimensionsloser Werkstoffrang und gilt nicht automatisch für jede Folienstruktur desselben Materials.

Davon zu unterscheiden ist ein Wasserdampf-Permeabilitätskoeffizient. Dieser ist anders dimensioniert und bezieht weitere Größen wie Foliendicke und Dampfdruckgefälle ein. Ein Permeabilitätskoeffizient ist deshalb nicht automatisch ein WVTR-Wert und darf nicht ohne passende Herleitung in eine Tabelle mit g/(m²·d) übernommen werden. Für einen Materialvergleich muss dieselbe Messgröße vorliegen.

Warum Temperatur und Luftfeuchtigkeit zum Messwert gehören

Ein WVTR-Wert ist immer an seine Messbedingungen gebunden. Direkt vergleichbar sind zwei Werte nur, wenn Temperatur, Feuchtebedingungen auf beiden Folienseiten, Prüfmethode und Foliendicke bekannt sowie hinreichend gleich sind. Fehlt eine dieser Angaben, beschreibt die Zahl zwar das untersuchte Muster, erlaubt aber keine belastbare Rangfolge zwischen zwei Verpackungsfolien.

Ursache ist das Feuchtegefälle: Wasserdampf wird durch Unterschiede im Wasserdampf-Partialdruck zwischen Innen- und Außenseite der Folie angetrieben. Die relative Luftfeuchtigkeit auf beiden Seiten bestimmt dieses Gefälle mit. Eine Datenblattangabe wie „90 % relative Feuchte“ bleibt daher unvollständig, wenn die Gegenfeuchte nicht genannt wird. [1] Auch die Temperatur verändert die Messsituation und kann die Durchlässigkeit beeinflussen. [2]

Eine pauschale Umrechnung auf eine andere Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Dicke ist nicht verlässlich. Bei feuchteempfindlichen, hydrophilen Polymeren kann aufgenommenes Wasser den Materialzustand und damit den Transport verändern. Selbst eine rechnerische Dickenanpassung setzt voraus, dass der Zusammenhang für genau die betrachtete Folie nachgewiesen ist. [1]

  • Temperatur: Ein bei einer Temperatur gemessener WVTR gilt nicht automatisch für ein wärmeres oder kälteres Lagerklima.
  • Relative Luftfeuchtigkeit: Erst die Bedingungen innen und außen zeigen, welches Feuchtegefälle der Messung zugrunde liegt.
  • Prüfmethode: Der Methodenname allein genügt nicht; auch die dokumentierten Bedingungen des Verfahrens beeinflussen die Vergleichbarkeit. [2]
  • Foliendicke: Eine Materialbezeichnung ersetzt keine Beschreibung der untersuchten Folienstruktur. Relevant sind tatsächlich gemessene gleiche Probendicken oder nachvollziehbar auf eine Normdicke bezogene Werte.

Für die Materialvorauswahl folgt daraus eine klare Grenze: Eine Tabelle mit unvollständigen Randbedingungen kann Orientierung geben, aber keine sichere Auswahlentscheidung tragen.

Materialvergleich: Welche Orientierung Tabellen bieten

Veröffentlichte Richtwerte helfen bei einer ersten Einordnung, sind aber keine allgemeingültige Rangliste. Die folgende Übersicht beruht auf einer veröffentlichten Tabellenbasis mit normierter Foliendicke von 25,4 µm, 38 °C und 90 % relativer Luftfeuchte. Innerhalb genau dieser Tabelle liegen BOPP und HDPE in niedrigeren WVTR-Bereichen als gegossenes PP. Die Bereiche von biaxial orientiertem PET und LDPE überschneiden sich. [6]

Eine normierte Dicke ist nicht mit einem dokumentierten Gleichdickenversuch gleichzusetzen. Die Tabelle weist weder die Feuchte der Gegenseite noch Prüfmethode, Probenserien, Wiederholungen oder Messunsicherheit aus. Sie beschreibt daher Bereiche zur Orientierung, nicht die Sperrwirkung einer konkreten Verpackungsfolie.

FolienmaterialWVTR-Bereich
g/(m²·24 h)
Einordnung innerhalb derselben Tabelle
BOPP3,9–6,2Niedrigster aufgeführter Bereich; gegenüber gegossenem PP klar niedriger.
HDPE4,7–7,8Niedriger Bereich, der sich mit BOPP überschneidet; daraus folgt keine eindeutige Reihenfolge beider Materialien.
Gegossenes PP9,3–11Im angegebenen Bereich höher als BOPP und unter dieser Tabellenbasis durchlässiger für Wasserdampf.
Biaxial orientiertes PET16–20Der Bereich überlappt mit LDPE; ein pauschaler Rang zwischen beiden ist nicht ableitbar.
LDPE16–23Der Bereich überlappt mit biaxial orientiertem PET; die konkrete Folienausführung entscheidet mit.

Vergleichsbasis der Tabelle: normierte Dicke 25,4 µm, 38 °C und 90 % relative Luftfeuchte. Fehlende Angaben zur Gegenfeuchte, Prüfmethode und Messunsicherheit begrenzen den direkten Vergleich. [6]

Die Tabelle erlaubt eine vorsichtige Vorauswahl: Für eine Aufgabe, bei der Wasserdampf möglichst stark gebremst werden soll, können niedrigere Bereiche ein Ausgangspunkt sein. Sie beantwortet jedoch nicht, ob eine konkrete Folie unter dem tatsächlichen Lagerklima ausreichend schützt. Dafür muss die Vergleichsbasis aus dem vorherigen Abschnitt zur jeweiligen Folienprobe passen.

Welche Wasserdampfbarriere das Produkt braucht

Ein niedriger WVTR ist sinnvoll, wenn die Verpackung Wasserdampf gezielt bremsen soll. Ob das die richtige Richtung ist, entscheidet die Schutzaufgabe: Ein trockenes Produkt soll häufig keine Feuchte aus der Umgebung aufnehmen. Ein feuchtes Produkt kann dagegen davor geschützt werden, Wasser als Dampf zu verlieren. Für Frischware ist eine maximale Wasserdampfbarriere nicht automatisch vorteilhaft.

Trockenprodukte vor Feuchteaufnahme schützen

Bei feuchteempfindlichen Trockenprodukten ist eine niedrige Wasserdampfdurchlässigkeit grundsätzlich die passende Richtung. Nimmt ein Produkt Wasserdampf aus einer feuchten Umgebung auf, kann sich seine gewünschte Beschaffenheit verändern. Das betrifft etwa knusprige oder getrocknete Erzeugnisse. Wie niedrig der WVTR tatsächlich sein muss, ergibt sich jedoch nicht allein aus einer Materialangabe. Maßgeblich sind das Feuchteaufnahmevermögen des Produkts, das erwartete Lagerklima und die vorgesehene Lagerdauer. [3]

Eine Materialtabelle kann die Auswahl vorsortieren, aber keinen Zielwert ersetzen. Erst eine festgelegte Produktgrenze – also welche Feuchteänderung oder Qualitätsveränderung bis zum Ende der vorgesehenen Lagerung akzeptabel ist – macht aus der Richtung „niedriger“ eine konkrete Anforderung.

Feuchte Produkte vor Wasserverlust schützen

Auch ein feuchtes Produkt kann von einer Wasserdampfbarriere profitieren, wenn es seinen Wassergehalt möglichst halten soll. Bei geschnittenem Obst kann eine passende Verpackung den Wasserverlust als Dampf begrenzen. Davon klar zu trennen ist austretender flüssiger Saft: Saftaustritt nach Zellschädigung ist kein WVTR-Problem und wird nicht allein durch eine Folie mit niedrigerem WVTR gelöst. Verarbeitung, Produkthandhabung und Temperaturführung betreffen hier eine andere Ursache. [4]

Frischware nicht pauschal abdichten

Bei frischem Gemüse kann eine sehr starke Feuchtesperre ungeeignet sein, weil die erforderliche Feuchteführung je nach Erzeugnis variiert. Blattgemüse benötigt eine hohe Luftfeuchtigkeit, um Wasserverlust und Welken zu begrenzen; bei Wurzel- und Knollengemüse kann zu hohe Luftfeuchtigkeit dagegen das Austreiben begünstigen. [5] Der erforderliche Sauerstoffaustausch ist eine vom WVTR unabhängige Anforderung.

Beispiel: Vorauswahl für ein feuchteempfindliches Trockenprodukt

Hypothetischer Fall: Für ein trockenes, bei Feuchteaufnahme qualitätskritisches Produkt liegen Daten zweier Folien vor. Die Messbasis ist identisch dokumentiert. Die Folie mit dem niedrigeren WVTR ist damit für die Schutzrichtung „Feuchteaufnahme begrenzen“ die naheliegendere Vorauswahl. Diese Aussage betrifft ausschließlich die Wasserdampfbarriere unter den dokumentierten Bedingungen. [1]

  • Konsequenz für die Vorauswahl: Die niedrigere WVTR-Angabe grenzt die möglichen Folien für diese Schutzaufgabe ein.
  • Entscheidende Lücke: Ohne zulässige Feuchteaufnahme des Produkts, Lagerklima und vorgesehene Lagerdauer bleibt offen, ob die Barriere ausreicht oder über das Ziel hinausgeht.
  • Gegenfall: Für Frischware ist derselbe Schluss nicht übertragbar, weil dort die gewünschte Feuchteführung zum Erzeugnis passen muss.

Die entscheidende Frage lautet daher nicht „Welche Folie hat den kleinsten Wert?“, sondern: „Welche Feuchteführung braucht dieses Produkt, und welche Daten legen die erforderliche Barriere fest?“

The main differences compared

Die Tabelle ordnet veröffentlichte Richtwerte unter einer gemeinsamen Tabellenbasis ein. Sie ersetzt keinen Vergleich konkreter Folienproben. [6]

MaterialEinordnung der WasserdampfbarriereWichtige Grenze
BOPPNiedriger Bereich in der OrientierungstabelleÜberlappt teilweise mit HDPE
HDPEEbenfalls niedriger BereichKeine eindeutige Rangfolge zu BOPP ableitbar
Gegossenes PPHöherer Bereich als BOPP in derselben TabelleGilt nur für die angegebene Vergleichsbasis
Biaxial orientiertes PET und LDPEHöhere, einander überlappende BereicheKein pauschaler Rang zwischen beiden Materialien

Requirements and limitations

Ein WVTR-Wert ist für den Materialvergleich nur mit seiner vollständigen Messbasis aussagekräftig.

  • Temperatur: Abweichende Prüf- oder Lagerbedingungen können den Wasserdampfdurchtritt verändern.
  • Luftfeuchtigkeit: Die Bedingungen auf Innen- und Außenseite bestimmen das Feuchtegefälle; eine einzelne Feuchteangabe genügt nicht.
  • Prüfmethode: Unterschiedliche Verfahren oder unvollständig beschriebene Versuche begrenzen die direkte Vergleichbarkeit.
  • Foliendicke: Eine normierte Dicke ist nicht gleichbedeutend mit identischen realen Proben.

Practical example

Hypothetical example: Für ein feuchteempfindliches Trockenprodukt liegen zwei Folien als vergleichbar geprüfte Kandidaten vor. Der niedrigere WVTR weist für die Schutzrichtung „Feuchteaufnahme begrenzen“ auf die stärkere Wasserdampfbarriere hin. Daraus folgt jedoch noch keine Aussage, dass eine der Folien für das Produkt ausreichend ist.

Für die endgültige Auswahl fehlen die zulässige Feuchteänderung des Produkts, die erwartete Luftfeuchtigkeit im Lager und die vorgesehene Lagerdauer. Diese Angaben bestimmen erst, welche Barriere benötigt wird. Bei Frischware wäre zusätzlich zu klären, welcher Feuchtehaushalt für das jeweilige Erzeugnis erwünscht ist.

Messwert und Produktanforderung zusammenführen

Eine WVTR-Angabe wird erst für die Vorauswahl nutzbar, wenn ihre Messbasis und die konkrete Feuchteschutzaufgabe des Produkts nebeneinanderstehen.

Die nächsten dokumentierten Punkte sind die fehlenden Vergleichsdaten sowie die gewünschte Feuchteführung während der vorgesehenen Lagerung.

Vergleichsdaten festhalten

Fazit: Vergleichbarkeit vor Rangfolge

Vergleichbare WVTR-Daten tragen zunächst eine begründete Richtung für die Materialvorauswahl, nicht aber den Nachweis einer ausreichenden Verpackungsbarriere. Für die endgültige Auswahl müssen zusätzlich die zulässige Feuchte- oder Qualitätsveränderung des Produkts, das erwartete Lagerklima und die vorgesehene Lagerdauer festgelegt sein. Solange diese Produktgrenze fehlt, bleibt offen, welche Barriere erforderlich ist.

Die Spezifikation vor der Materialauswahl vervollständigen

Eine belastbare Folienbewertung verbindet WVTR-Wert, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Prüfmethode, Foliendicke und Produktanforderung.

So bleibt erkennbar, welche Aussage ein Datenblattwert trägt – und welche Information vor einer endgültigen Materialentscheidung noch fehlt.

Spezifikation vorbereiten



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    Sources and classification

    1. ASTM F1249-25 (ASTM International)
    2. ASTM E398-20 (ASTM International)
    3. Water Vapor Transmission Rate (Poly Print)
    4. Selecting products and production methods (FAO)
    5. Reducing juice leakage in fresh-cut fruit (UC Davis)
    6. Retail packaging (FAO)
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